Reifen: Der einzige Kontakt zwischen Auto und Strasse
Vier handtellergrosse Flächen - mehr Kontakt hat Ihr Auto nicht zur Strasse. Die richtigen Reifen sind daher entscheidend für Sicherheit, Fahrkomfort und Treibstoffverbrauch. Trotzdem wird das Thema Reifen von vielen Autofahrern vernachlässigt. In diesem Ratgeber erfahren Sie alles, was Sie als Schweizer Autofahrer über Reifen wissen müssen.
Winterreifen vs. Sommerreifen: Die Unterschiede
Sommerreifen
Sommerreifen sind für Temperaturen über 7°C optimiert. Ihre Gummimischung ist härter und behält bei Wärme ihre Form, was für kurze Bremswege und präzises Handling sorgt.
Eigenschaften:
- Härtere Gummimischung
- Breite Profilrillen für Wasserableitung (Aquaplaning-Schutz)
- Optimaler Grip bei warmem Asphalt
- Geringerer Verschleiss bei hohen Temperaturen
- Tieferer Rollwiderstand = weniger Treibstoffverbrauch
Winterreifen
Winterreifen sind für Temperaturen unter 7°C konzipiert - nicht nur für Schnee. Die weichere Gummimischung bleibt auch bei Kälte flexibel und greift besser.
Eigenschaften:
- Weichere Gummimischung mit höherem Silica-Anteil
- Lamellen (feine Einschnitte im Profil) für Grip auf Schnee und Eis
- Breitere und tiefere Profilrillen
- Alpine-Symbol (3PMSF) als Qualitätsmerkmal
- Deutlich kürzere Bremswege bei Kälte, Nässe und Schnee
Der Unterschied in Zahlen
Bei einer Vollbremsung auf nasser Strasse bei 5°C:
- Winterreifen: Bremsweg ca. 35 Meter (aus 80 km/h)
- Sommerreifen: Bremsweg ca. 43 Meter (aus 80 km/h)
Das sind 8 Meter Unterschied - das kann über einen Unfall oder eine sichere Bremsung entscheiden.
Wann Reifen wechseln?
Die Faustregel: Von O bis O
Die bekannteste Eselsbrücke: Von Oktober bis Ostern Winterreifen. Genauer gesagt:
- Winterreifen aufziehen: Anfang bis Mitte Oktober, sobald die Temperaturen regelmässig unter 7°C fallen
- Sommerreifen aufziehen: Nach Ostern, in der Regel Mitte bis Ende April
Schweizer Besonderheiten
In der Schweiz gibt es - anders als in Deutschland oder Österreich - keine gesetzliche Winterreifenpflicht. Allerdings:
- Bei einem Unfall mit Sommerreifen auf winterlichen Strassen können Sie eine Mitschuld erhalten
- Die Versicherung kann die Leistung kürzen
- In einigen Bergkantonen sind Schneeketten bei entsprechender Beschilderung obligatorisch
- Mindestprofiltiefe: Gesetzlich 1,6 mm - für Winterreifen empfehlen Experten mindestens 4 mm
Höhenlage beachten
Die Schweiz erstreckt sich von 200 bis über 4'000 Meter. Was im Mittelland noch frühlingshaft ist, kann in den Bergen winterlich sein. Passen Sie den Reifenwechsel an Ihre typischen Fahrtstrecken an. Wer regelmässig über Pässe fährt, sollte die Winterreifen länger drauflassen.
Ganzjahresreifen: Eine Alternative?
Ganzjahresreifen (Allwetterreifen) versprechen, den saisonalen Wechsel überflüssig zu machen. Doch sind sie in der Schweiz eine gute Wahl?
Vorteile
- Kein zweimaliger Reifenwechsel pro Jahr (spart CHF 60–100 pro Wechsel)
- Kein zweiter Reifensatz nötig (spart Anschaffungs- und Lagerkosten)
- Gute Allround-Eigenschaften bei mildem Klima
Nachteile
- Kompromisslösung: Weder im Sommer noch im Winter so gut wie spezialisierte Reifen
- Längere Bremswege bei Extrembedingungen (Hitze oder Eisglätte)
- Schnellerer Verschleiss als spezialisierte Reifen
- Für Bergfahrten und starke Winter ungenügend
Unser Urteil
Ganzjahresreifen eignen sich für Fahrzeuge mit geringer Laufleistung (unter 10'000 km/Jahr), die hauptsächlich im Mittelland gefahren werden. Für Vielfahrer und für alle, die regelmässig in Bergregionen unterwegs sind, bleibt der saisonale Wechsel die sicherere Wahl.
Reifen richtig lagern
Wer saisonale Reifen verwendet, braucht eine gute Lagerlösung. Falsche Lagerung kann Reifen beschädigen und ihre Lebensdauer verkürzen.
Reifen auf Felgen (Kompletträder)
- Liegend stapeln oder an der Wand aufhängen
- Luftdruck um 0,5 bar über Normaldruck erhöhen
- Vor der Einlagerung Reifen auf Beschädigungen prüfen
- Profiltiefe messen und notieren
Reifen ohne Felgen
- Stehend lagern und alle paar Wochen drehen
- Nicht aufeinanderstapeln (verformt die Reifen)
- Trocken und kühl lagern, vor Sonnenlicht schützen
Professionelle Einlagerung
Viele Garagen und Reifenhändler bieten eine professionelle Einlagerung an. Die Kosten liegen bei CHF 30–60 pro Saison. Das Fahrzeug wird gleichzeitig auf Verschleiss geprüft - eine bequeme Lösung.
Reifengrösse und -typ: Was muss ich beachten?
Die richtige Grösse
Die zulässige Reifengrösse steht im Fahrzeugausweis (Feld 31–33). Weichen Sie nicht davon ab - falsche Reifengrössen sind bei der MFK ein Mangel und können die Sicherheit beeinträchtigen.
Die Reifenbezeichnung lesen
Eine typische Bezeichnung wie 205/55 R16 91V bedeutet:
- 205: Reifenbreite in mm
- 55: Verhältnis Höhe zu Breite in %
- R: Radialreifen
- 16: Felgendurchmesser in Zoll
- 91: Tragfähigkeitsindex (615 kg pro Reifen)
- V: Geschwindigkeitsindex (bis 240 km/h)
Reifenalter prüfen
Reifen altern auch ohne Nutzung. Die DOT-Nummer auf der Reifenflanke verrät das Herstellungsdatum. Beispiel: DOT 2024 = hergestellt in der 20. Kalenderwoche 2024.
Empfehlung: Reifen, die älter als 6 Jahre sind, sollten ersetzt werden - auch wenn das Profil noch ausreicht. Die Gummimischung verhärtet mit der Zeit und verliert Grip.
Kosten: Was kostet ein Reifensatz?
Die Kosten variieren je nach Fahrzeugklasse und Reifenmarke stark:
| Kategorie | Sommerreifen (4 Stk.) | Winterreifen (4 Stk.) | |---|---|---| | Kleinwagen (185/65 R15) | CHF 250–400 | CHF 300–500 | | Mittelklasse (205/55 R16) | CHF 350–600 | CHF 400–700 | | SUV (235/55 R18) | CHF 500–900 | CHF 600–1'000 | | Premium (245/40 R19) | CHF 700–1'200 | CHF 800–1'400 |
Dazu kommen die Montagekosten von CHF 60–100 pro Wechsel (inkl. Auswuchten).
Reifenpflege: Lebensdauer verlängern
Luftdruck regelmässig prüfen
Der richtige Luftdruck ist entscheidend für Sicherheit, Verschleiss und Verbrauch. Prüfen Sie den Druck mindestens einmal im Monat und vor längeren Fahrten. Den empfohlenen Druck finden Sie auf dem Aufkleber im Türrahmen oder in der Betriebsanleitung.
- Zu wenig Druck: Höherer Verschleiss an den Rändern, mehr Verbrauch, schlechteres Handling
- Zu viel Druck: Höherer Verschleiss in der Mitte, härteres Fahrwerk, weniger Grip
Profiltiefe kontrollieren
Messen Sie die Profiltiefe regelmässig mit einem Profiltiefenmesser (gibt es ab CHF 5 im Fachhandel). Neue Reifen haben ca. 8 mm Profil. Ersetzen Sie:
- Sommerreifen bei 3 mm Restprofil
- Winterreifen bei 4 mm Restprofil
Regelmässig Reifen tauschen
Um gleichmässigen Verschleiss zu fördern, können Sie die Reifen alle 10'000–15'000 km von vorne nach hinten tauschen (bei Fahrzeugen mit gleicher Reifengrösse vorne und hinten).
Häufige Fragen
Darf ich unterschiedliche Reifen montieren? Grundsätzlich sollten alle vier Reifen vom gleichen Typ und Hersteller sein. Unterschiedliche Reifen auf einer Achse sind gefährlich und in der Schweiz nicht zulässig. Mehr Antworten zu häufigen Auto-Fragen finden Sie in unseren FAQ.
Brauche ich in der Schweiz Schneeketten? Schneeketten sind keine generelle Pflicht, aber bei entsprechender Signalisation (blaues Schild mit Kettensymbol) obligatorisch. Auf bestimmten Passstrassen sind sie unerlässlich.
Lohnen sich Winterkompletträder? Ja, langfristig. Kompletträder (Reifen auf eigenen Felgen) sparen beim Wechsel die Montagekosten und schonen die Felgen. Die Investition amortisiert sich nach 2–3 Saisonen.
Fazit
Die richtigen Reifen zur richtigen Jahreszeit sind in der Schweiz keine Option, sondern eine Notwendigkeit. Investieren Sie in gute Markenreifen, wechseln Sie rechtzeitig und pflegen Sie Ihre Reifen - das zahlt sich in Sicherheit, Fahrkomfort und Lebensdauer aus.
Sie suchen ein neues Auto und möchten wissen, ob Winterreifen dabei sind? Bei Car Trade24 informieren wir transparent über Bereifung und Zubehör jedes Fahrzeugs. Kontaktieren Sie uns für eine Beratung.
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